• Karl-Heinz Henrich

Zwei Größen des argentinischen Tangos

In einer Woche jährt sich der Todestag von Carlos Gardel und Alfredo Le Pera



Carlos Gardel 11.12.1890 - 24.06.1935 * Alfredo Le Pera 07.06.1900 - 24.06.1935



Carlos Gardel eigentlich Charles Romuald Gardés (* 11. Dezember 1890 Toulouse, Frankreich) war Tango-Sänger und -Komponist. Carlos Gardel gilt als die wichtigste Persönlichkeit des Tango in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Mit seiner Mutter kommt Gardes 1893 nach Argentinien und lebt fortan in Buenos Aires. Er wächst dort im Stadtteil Abasto auf, in welchem der zentrale Obst- und Gemüsemarkt liegt. Schon in sehr jungem Alter fällt seine Stimme auf. Im Jahre 1902, er hilft als Kulissenschieber im Teatro Victoria, hört ihn der bekannte italienische Sänger Titta Ruffo, der ihn nun bei der Ausbildung seiner Stimme unterstützt. Seine Stimme entfaltet ihre Sinnlichkeit und ihre große dramatische Expressivität.

1906 verlässt er die Schule und konzentriert sich nur noch auf das Singen. Er tritt in den Cafés und Restaurants der unmittelbaren Nachbarschaft auf. 1912 legt er seinen französischen Namen ab und nennt sich nun Carlos Gardel. Gleichzeitig leugnet er die französische Herkunft und gibt an, aus Uruguay nach Argentinien gekommen zu sein.


Ab 1917 spezialisiert er sich ausschließlich auf den Tangogesang. Nach der Trennung von José Razzano, mit dem jahrelang aufgetreten ist, steigt er zum ersten und bis heute berühmtesten Tangosänger Argentiniens und der Welt auf.


Gemeinsam mit seinem lebenslangen Weggefährten, dem Dichter und Journalisten Alfredo Le Pera, komponiert Gardel zahlreiche klassische Tangos wie Mi Buenos Aires querido, Soledad, Golondrinas, Volver und El día que me quieras. Er schreibt nicht nur Tangos, sondern auch folkloristische Musik wie Milongas, Zambas, Rancheras, Tonadas, Tristes, Estilos usw. Er schreibt ebenso einige Foxtrotts in englischer Sprache, sowie auch einige Lieder traditionellen Stils auf französisch.


Am 24. Juni 1935 sterben Carlos Gardel, Alfredo Le Pera und mehrere ihrer Begleiter beim Zusammenstoß zweier Flugzeuge auf der Landebahn des Flughafens der Stadt Medellín in Kolumbien. Carlos Gardel stirbt auf dem Höhepunkt seiner Karriere während einer Tournee, die ihn durch ganz Lateinamerika führen sollte, und Millionen seiner Fans weinen um ihn, mehrere begehen Selbstmord. In Argentinien geht heute noch die Redensart um: „Gardel singt mit jedem Tag besser“. Ein Vers aus seinem Tango Volver wird zum geflügelten Wort in ganz Lateinamerika: Veinte años no es nada (Zwanzig Jahre sind ein Nichts)



Alfredo Le Pera wurde nur 35 Jahre alt und starb ebenso bei dem Flugzeugunglück in Medellín.


Alfredo Le Pera wurde am 07. Juni 1900 in Sao Paulo als Sohn italienischer Immigranten geboren und wuchs in Buenos Aires auf. Er wurde Journalist, nachdem er ein Medizinstudium abgebrochen hatte, und fand hier ein berufliches Feld nicht nur bei Tageszeitungen, sondern auch bei Kulturblättern. Er wurde auch Theaterautor und schrieb Texte wie Dialoge für Theater-Revuen. Mit 28 Jahren kam er über einen Korrespondenten-Job in die USA und auch nach Europa. Die Filmbranche faszinierte und lockte ihn, der Tonfilm stand kurz vor seiner Einführung, und man brauchte geschickte Drehbuchautoren, wie er einer war. Er kam bei der amerikanischen Filmfirma United Artists unter Vertrag. Nebenbei schrieb er erste Tangos.

Der erste seiner zahlreichen Liedtexte soll das Stück „Carillón de la merced“ gewesen sein, das Tania in Chile uraufführte und wenig später dann in Buenos Aires präsentierte. Hier geht es um die Glocken der Basilika La Merced (Santiago de Chile). Meine favorisierte Version ist die Interpretation des Orchesters Tipica Victor vom 09.06.1931. Die Melodie schrieb der berühmte Komponist Enrique Santos Discépolo.


Der Film brachte Gardel und Le Pera dauerhaft in Paris zusammen, wo Carlos Gardel ab 1932 für Paramount drehte. Alfredo Le Pera schrieb Texte und Drehbücher für sämtliche Filme, in denen Gardel in Joinville und später in New York spielte. Sie waren ein harmonisches und kreatives Duo, bei dem meistens noch ein Musiker mitwirkte, der die Ideen zu Papier brachte. Aber Carlos Gardel als Komponist mit dem Texter Alfredo Le Pera haben eine Reihe von Liedern entworfen, die mit den Filmen zu Klassikern des Genres geworden sind: Volver, Sus ojos se cerraron, El día que me quieras, Cuesta abajo, Por una cabeza, Melodía de arrabal, Mi Buenos Aires querido...


Alfredo Le Pera schrieb elegant und in einer für die ganze spanischsprachige Welt verständlichen Schreibweise. Ein Lunfardo-Poet war er also nicht. In seiner Anfangszeit hatte er noch typische „Porteño“- Ausdrücke verwendet, die er später vermied, denn er wollte den Tango international verbreiten und jedem Publikum verständlich machen.



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