• Karl-Heinz Henrich

Rodolfo Biagi

Ein fantastischer Musiker mit dem Spitznamen "Manos Brujos" (Magier der Hände)


14. März 1906 - Am 24 September 1969


Heute vor 116 Jahren, wurde im Barrio San Telmo in Buenos Aires Rodolfo Biagi geboren. Nach der Grundschule wandte er sich der Musik zu und wollte eigentlich Geiger werden. Doch im Konservatorium begeisterte ihn das Klavier, und schon mit 13 Jahren begleitete er die Vorstellungen im Stummfilmkino „Cine Colón“ in der Straße Entre Ríos.

Juan Maglio wurde auf ihn aufmerksam, eine der Pionierpersönlichkeiten des frühen Tango mit einem eigenen Orchester, und setzte ihn mit 14 Jahren an die Tasten. Gespielt wurde im Café Nacional und im Café Domínguez, beides Brutstätten des Tangos, die man auch gelegentlich zu Kathedralen erhob.


Bald setzte Biagi seine junge Karriere fort und spielte bei Miguel Orlando im Cabaret Maipú Pigall. José Razzano holte ihn 1930 in eine Studioformation, um Carlos Gardel bei Aufnahmen in der Casa „Odeón“ zu begleiten. Ab 1931 spielte er im Orchester von Juan Bautista Guido in den Kinos „Real“ und „Suipacha“ und daraufhin bei Juan Canaro, dem Bruder von Francisco Canaro, der im Radio die Formate des „radioteatro“, die „Radionovelas“, unterlegte. Produziert wurde im Kino „Paris“; gleichzeitig wurde ab abends im Cabaret gespielt.


Es war derselbe Laden, in dem Biagi schon früher gespielt hatte, denn aus dem früheren „Maipú Pigall“ war das „Casanovas“ geworden. Mit Juan Canaro schloss sich eine Brasilientournee an. Mit der Rückkehr trennte sich Rodolfo Biagi von diesem Orchester.

Als kurze Zeit später Juan D'Arienzo bei seinen abendlichen Auftritten im Cabaret „Chantecler“ wieder einmal von der Unzuverlässigkeit seines Pianisten Lidio Fasoli so enttäuscht war, warf er ihn hinaus und an seiner Stelle ließ er Rodolfo Biagi spielen.

Bekanntlich geschah dies im Jahr 1935 und Rodolfo Biagi hatte einen wesentlichen Anteil an dem Sound des Orchesters von Juan D'Arienzo, der im Chantecler die Auszeichnung als „Rey del compás“ angeheftet bekam. Drei Jahre blieb Rodolfo Biagi dem Orchester von Juan D'Arienzo treu und beeinflusste mit seinem Stil auch seine Nachfolger in dieser Formation.


Seine eigenen rhythmischen Vorstellungen brachte er aber in seiner eigenen Orchester zur vollständigen Blüte, die ab 1938 im Radio und abendlich im Cabaret Marabú zu hören war. Im Radio nannte man ihn den „Magier der Hände“, der Spitzname auch der gleichnamige Titel „Manos brujas“.


Am 2. August 1969 konnte man Rodolfo Biagi zum letzten Mal erleben, er spielte mit seinem Orchester im Hurlingham Club. Am 24 September 1969 starb Rodolfo Biagi in Folge eines Kollapses mit 63 Jahren.


Am vergangenen Samstag habe ich einen Valsecito von Rodolfo Biagi im Unterricht gespielt. Der Titel dieses wunderschönen Valses ist Viejo Porton mit dem Sänger Teófilo Ibáñez und wurde am 17.10.1938 aufgenommen. Der Komponist war Héctor Palacios und der Text stammt von Máximo Orsi.


VIEJO PORTÓN


Sangraba en la noche, su canto de angustia,

Tus labios temblaban de intensa emoción,

Estrofas dolientes, humildes y mustias

Colgó del alero del viejo portón.

En sombras envueltos, sin más compañía,

Que el dulce recuerdo de un hondo querer,

Así su guitarra, profunda gemía

Vibraban sus cuerdas, como una mujer.


Suplico del viento, voces de los llanos,

rezos angustiosos, quejas de dolor.

Pájaros errantes que una primavera

con un sol de fuego chamuscó el amor.

Fuerte fue el cariño como un algarrobo—

un hachazo del tiempo fácil lo partió.

Y hoy en el silencio largo de su ausencia

llora una guitarra junto a su cantor.


¡Te quiero!, susurran, a orillas del río

Las largas melenas, del sauce llorón,

Florecen los ceibos que moja el rocío

Tristón en su rojo, como un corazón.

Las aves y el viento musitan: ¡Te quiero!

Te dicen cantares con santo fervor,

Mas yo en mi silencio, paciente te espero

Y rondo en tu vida como un girasol.




ALTES TOR


Es blutete in die Nacht sein Lied der Qualen

Deine Lippen zitterten vor Intensität der Gefühle,

Verse, traurig, demütig und verblasst

hingen an dem alten Tor.

Eingehüllt in Schatten, mit nichts mehr als Gesellschaft

als die süße Erinnerung an eine tiefe Liebe,

Und seine Gitarre, deren Saiten vibrieren,

Stöhnt tief, wie eine Frau.


Das Flehen des Windes, die Stimmen aus der Steppe,

Verzweifelte Gebete, traurige Klagen,

Zugvögel, die in einem Frühling, mit einer heftigen Sonne, die Liebe versengten.

Stark war die Liebe, stark wie ein Heuschreckenbaum

Ein vernichtender Schlag der Axt spaltete die Zeit mit Leichtigkeit.

Und jetzt, in der langen Stille ihrer Abwesenheit

weint eine Gitarre mit ihrem Sänger.


Ich liebe dich, flüstern die langen Mähnen der

der Trauerweiden am Rande des Flusses.

Vom Tau befeuchtet, blühen die Ceibobäume*,

Traurig in ihrem herzförmigen Rot.

Die Vögel und die Brise murmeln: Ich liebe dich!

Sie singen zu dir mit heiliger Inbrunst,

Doch ich, in meiner Stille, warte geduldig auf dich

und drehe mich in deinem Leben wie eine Sonnenblume.


In der Aufnahme singt Teófilo Ibáñez allerdings nur die 2. Strophe.



Die Legende des Ceibo-Baums erzählt von einer indigenen Frau namens Anahí, die an den Ufern des Paraná-Flusses lebte und mit einer wunderschönen Gesangsstimme gesegnet war. Als die Spanier kamen, wurden sie und die Dorfbewohner gefangen genommen, aber als der Wächter einschlief, versuchte sie zu fliehen. Im entscheidenden Moment wachte er jedoch auf und Anahí war gezwungen, den Wächter zu erstechen. Sein Todesschrei weckte die Soldaten und Anahí wurde zur Strafe an einen Baum gebunden und verbrannt. Als die Flammen sie erfassten, sang sie für ihr Land und die Natur. Am nächsten Morgen blühte dort, wo die Soldaten nur Asche erwartet hatten, ein Ceibo-Baum mit seinen roten herzförmigen Blüten. Der Ceibo, der Nationalbaum Argentiniens und Uruguays, ist ein Symbol für Stärke und Mut in schwierigen Zeiten.

El Ceibo bedeutet "der Baum der niemals stirbt"



https://www.youtube.com/watch?v=8tuvzZvc4t8

Quelle: YouTube