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  • Karl-Heinz Henrich

Nelly Omar " Die grande Dame“ des Tango

Die dramatische Stimme des Tango


Nelly Omar | 10. September 1911 - 20. Dezember 2013


Ich erinnere mich an eine „grande Dame“ des Tango mit ihrer volksverbundenen Einfachheit, die immer echt war.

Vor neun Jahren, am 20. Dezember 2013, ist Nelly Omar im Alter von 102 Jahren gestorben.

Am 10. September 1911 wurde Nelly Omar als Nilda Elvira Vattuone Pesoa auf einer Estancia ganz in der Nähe von Guaminí fast 500 km südwestlich von Buenos Aires in der Provinz Buenos Aires geboren. Es war eine kinderrreiche Familie und ihr Vater war Vorarbeiter („Großknecht“) auf der Ranch „La Atrevida“ . Unter etlichen Brüdern wuchs Nelly Omar mit drei Schwestern auf. Elena Vattuone, genannt Gory, heiratete später den Poeten Julián Centeya. Nélida und die jüngere Schwester, sollte als Sängerin ihre Duopartnerin werden.


Im Jahr 1924 ging Nelly, damals 13 jährig nach Buenos Aires, nachdem der Vater gestorben war. Mit der Musik waren sie aufgewachsen, denn ihr Vater hatte Musik geliebt und Gitarre gespielt. In Buenos Aires fand sie sofort Anschluss an ein Gesangsensemble, das sich „Cenizas del Fogón“ nannte. Als ihre jüngere Schwester Anfang der 30er Jahre auch nach Buenos Aires kam, traten beide als Gesangsduo auf, wobei sich für die Sängerinnen weitere Türen zum Radio öffneten. 1932 und 1933 kamen sie neben dem Sender Radio Rivadavia auch zu anderen Sendern wie Radio Splendid, wobei sie aus einer Laune heraus ihre Namen tauschten. Nilda Elvira nahm den Namen „Nelly“ von Nélida an und umgekehrt...

Noch nannten sie sich Vattuone, erst etwas später sollte Nelly zu Nelly Omar werden. Die Brüder Navarrine und Antonio Molina, die eine lokale Bühne hatten, veranstalten öffentliche Auftritte.

Nelly heiratet 1935 den Impresarios und Regisseur Antonio Molina. Als bekannte Größe im „Radioteatro“ ist sie so beliebt, dass sie im Jahr 1937 in einer Publikumswahl der Zeitschrift „Caras y caretas“ zu der beliebtesten Sängerin gewählt wird.

Im Radio hatte sie den Rang erreicht, den Stars wie Libertad Lamarque und Agustín Magaldi einnahmen. 1938 erfindet ein Konzertansager für sie den Begriff „Gardel en polleras“ (Gardel im Rock), der zu ihrem Stil passte. Die Programme der Radioshows schreiben Enrique Cadícamo und Homero Manzi. In Homero Manzi fand Nelly Omar nicht nur eine große dichterische Persönlichkeit, sondern auch ihre große Liebe, des ebenfalls ländlich geprägten großen Tangodichters.
















Homero Manzi 1. November 1907 - 3. Mai 1951












Als Filmschauspielerin debütiert Nelly Omar 1940 („Canto de amor“, mit Carlos Viván) und setzt dies 1942 fort in dem Film „Melodías de América“, in dem sie den Tango „El aguacero“ von Cátulo und José González Castillo singt.


1946 holt sie Francisco Canaro zu Aufnahmen in die Studios von Odeón. Sie wird in diesem Jahr geehrt als „La voz dramática del Tango“ (Die dramatische Stimme des Tango).

Diese Lebensphase ist verknüpft mit dem Peronismus, dem Nelly Omar zugeneigt ist. Sie ist mit Evita Perón befreundet und teilt vehement die Anliegen des Juan Domingo Perón. Homero Manzi stirbt 1951, und die damalige Regierung Juan Domingo Peróns wurde 1955 durch einen Militärputsch abgelöst. Es folgt eine lange Pause, in der Nelly Omar nicht öffentlich zu hören ist, außer bei Reisen ins Ausland wie nach Uruguay oder Venezuela, bis sie 1966 wieder zu Aufnahmen überzeugt werden kann.

Ein gefeiertes Wochenende in Paris im „Théâtre Chaillot“ mit Raúl Garello und Emilio Balcarce wird auf drei ausverkaufte Konzerte ausgedehnt, zwei davon singt Nelly, das dritte wird ohne sie präsentiert, denn ihre Stimme ist nach zwei Konzerten am Ende. Das geschieht im Jahr 2000, da ist Nelly Omar bereits 89 Jahre alt!

Mit 100 Jahren tritt sie, wie sie es jedes Jahr zu präsentieren pflegte, noch einmal im Luna Park vor einem begeisterten Publikum auf. Eins ihrer eigenen Lieder heißt „Misterio y canción“ (Mysterium und Gesang). Die meisten ihrer Lieder schrieb sie zusammen mit ihrem langjährigen Gitarristen José Canet, der sie oft mit seinem Gitarrenensemble begleitete.

Unvergessen bleibt Nelly Omar ihrem schwarz-roten Poncho und ihrer klaren Stimme.



Quelle:YouTube

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